Die sieben Thesen im Überblick
These 1 – Nur in dezentralen Strukturen schaffen wir 100 % PV-Stromversorgung
Systemfrage
Ist eine vollständige Photovoltaik-Versorgung nur durch dezentrale Strukturen erreichbar?
Fachliche Einordnung
Die Photovoltaik hat sich von Inselsystemen über netzgekoppelte Anlagen hin zu einem zentralen Pfeiler der Energieversorgung entwickelt. Mit sinkenden Systemkosten gewinnt der Eigenverbrauch zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.
Gleichzeitig stellen hohe Einspeisespitzen das Stromnetz vor Herausforderungen. Dezentralität, Speicherintegration und Lastmanagement werden daher als Schlüssel für Versorgungssicherheit und Systemstabilität diskutiert.
Im Mittelpunkt stehen:
- Rolle dezentraler Erzeugungsstrukturen
- Bedeutung von Speichern für Flexibilität
- Auswirkungen auf Strommarkt und Netzausbau
- Systemintegration bei hohem PV-Anteil
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Die These wird fachlich eingeordnet durch
Prof. Peter Adelmann, Professor für Solare Energiesysteme, id-eee, Illerkirchberg.
Moderation: Catherine Adelmann, Smart-Grids-Forschungsgruppe, Technische Hochschule Ulm.
Der Thesentisch analysiert, welche strukturellen Voraussetzungen eine stabile 100 %-PV-Versorgung tatsächlich erfordert.
These 2 – Die Solarenergie- und Clean-Tech-Revolution wird eine massive zivilisierende Wirkung entfalten
Systemfrage
Welche geopolitischen und gesellschaftlichen Effekte ergeben sich aus globalem Energiewohlstand durch Solarenergie?
Fachliche Einordnung
Die deutsche Solarentwicklung zeigt wie technologische Innovation, Industriepolitik und Marktmechanismen ineinandergreifen können. Das Buch "Deutsches Sonnenmärchen" erzählt diese erstaunliche Solar-Story anhand vieler Beispiele und gibt Anlass zum Optimismus.
Mit weltweit sinkenden Kosten für Photovoltaik und Speicher verändert sich die Struktur der Energieversorgung grundlegend. Eine zunehmende Unabhängigkeit von fossilen Importen kann geopolitische Spannungen reduzieren und wirtschaftliche Entwicklung fördern.
Diskutiert werden:
- Photovoltaik als Treiber globaler Versorgungssicherheit
- Auswirkungen auf geopolitische Abhängigkeiten
- Rolle der Akteur:innen im deutschen Solar-Markt
- Chancen und Risiken der aktuellen Marktdynamik
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Michael Bukowski, Autor und Speaker, Berlin.
Der Thesentisch ordnet die Energiewende in einen größeren zivilisatorischen Kontext ein.
These 3 – Mit der Steckersolarnorm VDE V 0126-95 ist alles geregelt. Oder?
Systemfrage
Schafft die DIN VDE V 0126-95 rechtliche und technische Klarheit für Steckersolargeräte?
Fachliche Einordnung
Mit der eigenständigen Produktnorm für steckerfertige Photovoltaikanlagen wurden verbindliche Sicherheits- und Prüfanforderungen definiert.
Offen bleibt jedoch, wie sich die 960-W-Grenze für Haushaltssteckdosen auswirkt, wie Vermietende reagieren und welche Anpassungen Hersteller vornehmen.
Zentrale Aspekte:
- Produktsicherheit und Normkonformität
- Marktentwicklung für Steckersolargeräte
- regulatorische Auswirkungen
- Bedeutung für Installationspraxis
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Ralf Haselhuhn, Vorsitzender Fachausschuss PV, Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V., Berlin.
Moderation: Elisa Förster, Projektleiterin, Dozentin, Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V., Berlin.
Der Thesentisch hat eine realistische Bewertung der Marktauswirkungen zum Ziel.
These 4 – Bei Rushhour im Netz: Mittagsfahrverbot für PV
Systemfrage
Muss das Stromnetz dauerhaft für PV-Spitzen ausgelegt sein – oder braucht es neue Anschlusslogiken?
Fachliche Einordnung
Mit 30% Netzanschlusskapazität und einem 3-Stunden-Speicher könnte im Sommer eine gleichmäßigere Einspeisung erreicht werden.
Dies stellt die klassische Logik des Netzausbaus infrage und rückt Flexibilität, Speicher und Systemdienlichkeit stärker in den Fokus.
Diskutiert werden:
- Optimierung von Netzanschlusskapazitäten
- Speicher als Systemkomponente
- volkswirtschaftliche Kosten des Netzausbaus
- Auswirkungen auf den Strommarkt
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Prof. Dr. Christof Bucher, Professor für Photovoltaiksysteme, Berner Fachhochschule, Burgdorf ||.
Moderation: Sönke Rogalla, Leiter der Abteilung Leistungselektronik und Netzintegration, Fraunhofer ISE, Freiburg.
Der Thesentisch analysiert alternative Systemlogiken für eine resiliente Energieversorgung.
These 5 – Ohne Social Recruiting scheitert die Energiewende
Systemfrage
Reichen klassische Recruiting-Strategien aus, um den Fachkräftebedarf im PV-Markt zu decken – oder wird Social Recruiting zum entscheidenden Erfolgsfaktor für den weiteren Ausbau der Photovoltaik?
Fachliche Einordnung
Der Ausbau der Photovoltaik ist nicht allein eine Frage von Technologie, Genehmigung oder Netzanschluss. Er ist zunehmend eine Personalfrage.
Trotz wachsender Attraktivität des Handwerks fehlen qualifizierte Dachdecker:innen, Monteur:innen und Elektriker:innen, um Solarmodule in der notwendigen Geschwindigkeit zu installieren und fachgerecht anzuschließen. Der Fachkräftemangel entwickelt sich damit zu einem strukturellen Risiko für die Ausbauziele und die Versorgungssicherheit.
Klassische Recruiting-Kanäle stoßen an ihre Grenzen. Betriebe der Solarbranche stehen vor der Herausforderung, aktiv neue Zielgruppen anzusprechen, Wechselbereitschaft zu erzeugen und sich als attraktive Arbeitgeber im Wettbewerb um Talente zu positionieren.
Im Zentrum der Diskussion stehen:
- Wirksamkeit von Social Media im Recruiting-Prozess
- Aufbau einer starken Arbeitgebermarke im PV-Umfeld
- Emotionalisierung und Zielgruppenansprache im Handwerk
- Verzahnung von Online-Präsenz, Unternehmenskultur und Bewerbungsprozessen
- Beitrag moderner Recruiting-Strategien zur Stabilisierung des PV-Ausbaus
Die zentrale Frage lautet:
Ist Social Recruiting lediglich ein zusätzlicher Kommunikationskanal – oder ein strategischer Hebel, ohne den die Energiewende personell nicht umsetzbar ist?
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Christian Keller, Geschäftsführer, KD Kellerdigital GmbH, Frankfurt a.M.
Moderation: René Grell, Kreativdirektor, KD Kellerdigital GmbH, Frankfurt a.M.
Der Thesentisch analysiert, welche strategischen, kommunikativen und organisatorischen Voraussetzungen Unternehmen der Solarbranche erfüllen müssen, um über Social Recruiting nachhaltig Fachkräfte zu gewinnen – und damit den Ausbau der Photovoltaik langfristig abzusichern.
These 6 – Netzanschluss: FCA, Digitalisierung, Standardisierung – da geht noch was!
Systemfrage
Wie kann der Netzanschluss für Photovoltaik-Projekte effizienter gestaltet werden?
Fachliche Einordnung
Der Netzanschluss entwickelt sich zunehmend zum Engpass für Solarprojekte. Prozesse sind komplex, Netzbetreiber stark belastet, Standardisierung oft unzureichend.
Digitalisierung und regulatorische Klarheit gelten als Hebel zur Beschleunigung.
Diskutiert werden:
- Prozessdigitalisierung
- Standardisierungspotenziale
- regulatorische Rahmenbedingungen
- Lösungsansätze jenseits von Polarisierung
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Anne Loos, Mitglied der Clearingstelle EEG|KWKG, Berlin.
Moderation: Dr. Martin Winkler, wissenschaftlicher Leiter, Clearingstelle EEG|KWKG und Geschäftsführer RELAW GmbH, Berlin
Der Thesentisch erstellt eine sachliche Analyse praktikabler Lösungen.
These 7 – Dynamische Stromtarife sind die Antwort auf die Netzprobleme
Systemfrage
Können dynamische Stromtarife zum zentralen Steuerungsinstrument der Energiewende werden?
Fachliche Einordnung
Lange Bearbeitungszeiten bei Netzanschlüssen, Engpässe im Stromnetz, Intransparenz in Anschlussprozessen und ein verzögerter Ausbau prägen vielerorts die aktuelle Situation im PV-Markt. Der Netzausbau gilt als zentrale Lösung – ist jedoch kapitalintensiv und zeitaufwendig.
Dynamische Stromtarife setzen stattdessen am Marktmechanismus an:
Preissignale wirken unmittelbar, während neue Infrastruktur Jahre benötigt. Variable Tarife können Anreize schaffen, Verbrauch, Speicher und flexible Lasten systemdienlich zu steuern. Damit rückt der Markt als aktiver Hebel zur Netzstabilisierung stärker in den Fokus.
Im Zentrum der Diskussion stehen:
- Wirkung von Preissignalen auf Lastverschiebung und Flexibilität
- Rolle von Speichern im Zusammenspiel mit dynamischen Tarifen
- Voraussetzungen für einen Smart-Energy-Roll-Out
- Digitalisierung und Datenverfügbarkeit im Strommarkt
- Beitrag dynamischer Tarife zur Entlastung des Stromnetzes
Die zentrale Frage lautet:
Reichen marktbasierte Instrumente aus, um das „Problem Netz“ zu entschärfen – oder bleiben sie ein ergänzendes Werkzeug neben dem klassischen Netzausbau?
Diskursrahmen beim PV-Symposium
Impuls: Jochen Schwill, Gründer und Geschäftsführer SpotmyEnergy, Köln.
Moderation: Belinda Seefeldt, Sales Development Representative SpotmyEnergy, Köln.
Der Thesentisch analysiert, unter welchen regulatorischen, technischen und marktlichen Bedingungen dynamische Stromtarife das Potenzial zum zentralen Steuerungsinstrument der Energiewende entfalten können – und welche Grenzen dabei realistisch zu berücksichtigen sind.